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Allgäu GmbH, Philip Herzhoff

Die Romantikbaustelle-Neues mit Altem verbinden

Königsklasse der Hoftransformation - vom Abriss des Wirtschaftsteils und dem Schaffen eines neues Wohnraums im Kemptener Außenbereich

    • Hof-Kategorie

      Abriss Wirtschaftsteil, Neubau eines Wohnhauses, Außenbereich

    • Wichtige Themen

      Neubau und Baurecht, Außenbereich

    • Die Idee

      Eine junge Familie  übernimmt den Wirtschaftsteil eines Allgäuer Einöd-Althofs, Abriß des nicht mehr zu rettenden Wirtschaftsteils und Neubau eines Hauses in Verbindung mit dem alten, bestehenden Wohnhaus

    Die Königsklasse der Althofsanierer – Althof, Neubau, Außenbereich

    Mitten auf dem Land – und doch noch Teil des Stadtgebiets Kempten: Hier liegt die

    „Romantikbaustelle“. Das Hofprojekt der Familie Bucksch. Die kleine Einöde gehört der Familie seit vielen Generationen. Das Wohnhaus des Hofes wird noch bewohnt, der Wirtschaftsteil ging an Johann und seine kleine Familie. Die landwirtschaftlichen Flächen sind an andere Landwirte verpachtet, denn seit den 80iger Jahren wird hier keine Landwirtschaft mehr betrieben.

    Der Hof steht nicht unter Denkmalschutz. So war es möglich, dass der Wirtschaftsteil mit Tenne und Wiederkehr  – weil nicht anders möglich – abgerissen werden konnte. Heute steht dort das neue Wohnhaus, das sich harmonisch an das alte Wohnhaus anschmiegt.

    Neubau schafft Möglichkeiten, bringt aber auch Herausforderungen mit sich

    Ca. 14 Monate hat die Bauzeit inklusive Abriss gedauert. Die Grundfläche wurde dabei komplett beibehalten, das Raumvolumen jedoch für die Wohnnutzung geringfügig erweitert. Der Bestand musste beim Bau jedoch unterfangen werden.

    Durch den Neubau wurde auch ein Bauantrag mit Bauvoranfrage notwendig. Wie auch bei einem klassischen Neubau musste alles genehmigt werden. Auch musste die „Hofform“ eines Allgäuer Einfirsthofes beibehalten werden. Bestand und Neubau mussten daher angepasst und architektonisch gelöst werden.

    Ein Austragshäusschen als Alternative war nicht geplant, da eine landwirtschaftliche Privilegierung zum Thema Bauen im Außenbereich nicht mehr vorliegt.

    Auch der Tierschutz wurde beim Abbruch des Wirtschaftsteils mit gedacht: Das Dach wurde achtsam von Hand abgetragen, da es Heimat für Fledermaus, Schwalbe und Co. bot. Neue Schwalbennester wurden am alten Wohnhaus angebracht.

    Nicht nur das neue Gebäude, sondern auch die Außenanlage brachte so einige Herausforderungen mit sich. Ein Löschteich bezüglich Brandschutz musste durch die Lage des Hofes angelegt werden. Dieser hat sich mittlerweile zu einem Paradies für Frösche und Co. entwickelt – ein schöner Nebeneffekt. Auch die Bodenbeschaffenheit musste getestet werden, ein Bodenumtausch von Lehm zu Schottergemisch war notwendig. Ein Kellerbau war nicht möglich.

    Wohnraum und Infrastruktur nicht nur für sich selbst schaffen

    Eine klare Frage, die sich die Familie Bucksch am Anfang stellten war: Wie viele qm brauchen wir wirklich für uns zum Leben? Die Familie mit ihren Zwillingsjungs leben heute im vorderen Teil des neuen Wohnhauses, im hinteren Teil haben sie eine weitere Wohneinheit geschaffen – als Mietwohnraum für eine weitere Familie.

    Das Haus hat einen Kfw-Standard von 55. Durch den Außenbereich sind sie nicht an die öffentliche Abwasserentsorgung angeschlossen, eine eigene Kleinkläranlage war hier die Lösung. Ein Flächenkollektor fördert Erdwärme. Die Erschließung mit Glasfaser ist geplant.

    Lage, Lage, Lage

    Idyllisch, ruhig, atmosphärisch. Aber auch eigenverantwortlich und auf sich gestellt. Die Lage im Außenbereich ist ein wichtiger Aspekt, der gut bedacht sein will. Und das ständige Bewusstsein für die Lage des Hofes ist sehr wichtig.

    Die Romantikbaustelle ist durch das Fehlen eines „schützenden“ Dorfes voll dem Wetter ausgesetzt, bei Sonne und bei Schnee. Auch die Nähe zu den umliegenden Feldern bringt Vor- und Nachteile, Hangwasser bei starkem Unwetter und ein dadurch unterspülter Zugang zum Haus war nicht selten, Krottenstängelinvasion (zu deutsch Ampfer) im Garten erschwerte dass anlegen eines Rasens, so musste die ganze Fläche von 800qm gefräst und von Hand wieder aufbereitet werden.

    Die Zufahrt zum Hof ist eine Privatstraße, die Müllabfuhr kommt nicht direkt bis vors Haus – der Müll muss daher bis zur nächsten Kreuzung gebracht werden. Auch der öffentliche Winterdienst fehlt.

    Auf der anderen Seite gibt es wohl keine schöneren Sonnenaufgänge im Allgäu. Die Natur rückt ganz nah und umgeben von Feldern und Wiesen lässt es sich auch einfach mal durchatmen.

    Bautagebuch:

    Isabell Bucksch gibt auf ihrem Instagram-Account einen Einblick in das Leben auf der (ehemaligen) #Romantikbaustelle: Vom gemütlichen Familienabend, wenn der Sturm ums Haus pfeift oder vom sommerlichen Morgen am Lösch- bzw. Gartenteich.

    3 Tipps, die wir gerne geben möchten

    - Erschließungsfragen müssen vorher abgeklärt werden

    - Zufahrt von Baufahrzeugen mit denken – Lage des Hofes beachten!

    - Finanzierung gut durchdenken und Puffer einplanen

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    Die Romantikbaustelle ist die Königsklasse der Hofsanierer: Neubau an einen Althof im Außenbereic

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    Die fertige Außenfassade des neugebauten Hauses

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    Die Liebe zum Detail erkennt man in der Romantikbaustelle an jeder Ecke

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    Familienporträt auf der Romantikbaustelle

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    Isabell und Johann sind die Gesichter hinter der „Romantikbaustelle“

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    Auch ein Löschteich gehört zu den Maßnahmen, die der Bau mit sich brachte. Heute ist er eine kleine Hommage an das Allgäu.