Schauspieler Hans Sigl (Bergdoktor): was ihn an seiner zweiten Rolle im Allgäu fasziniert.

27.06.2027
Ralf Sigl liest im Innenhof von Schloss Neuschwanstein
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Fotowunder

Warum Hans Sigl am 23.08. im Rahmen der Schlosskonzerte Neuschwanstein Texte von König Ludwig II liest. Ein Interview von Benedikt Sigert.

Schloss Neuschwanstein - ein Sehnsuchtsort wird Bühne. Vom 21.-25. August 2024 dürfen Besucher und Besucherinnen an lauen Sommerabenden die einmalige Akustik und Atmosphäre des Schlosshofes  genießen. Dieses neue Open-Air-Format begeistert nicht nur Musiker, auch Schauspieler, Moderator und Erzählerin sind engagiert:

Hans Sigl im Interview zu seiner Erzählerrolle am 23. August auf Schloss Neuschwanstein:
Die Rolle als Fernseharzt Dr. Martin Gruber machte ihn zum Star. Gerade steht Schauspieler Hans Sigl für die 18. Staffel der Erfolgsserie in Tirol vor der Kamera. Wenn die neuen Folgen Ende des Jahres im ZDF ausgestrahlt werden, ist wieder ein Millionenpublikum dabei. Weit intimer ist da schon der Rahmen, wenn der 54-Jährige im Sommer ins Allgäu kommt. Berge spielen dann zwar auch eine tragende Rolle, Patienten behandelt Sigl aber nicht. Stattdessen kommt er am 23. August in einer Erzählerrolle nach Schwangau im Rahmen der Neuschwansteinkonzerte. Sigl wird unter dem Motto „Sagen und Fabeln“ zur Musik von Richard Wagner sprechen. Die Veranstaltung soll vor rund 500 Gästen im Innenhof des Märchenschlosses stattfinden. Im Interview spricht Sigl über seinen Erfolg, seine Erinnerungen ans Allgäu und den Spagat zwischen TV-Kitsch und Klassischer Musik.

Herr Sigl, regt es Sie nicht auf, ständig auf den Bergdoktor angesprochen zu werden? Zumal Sie neuerdings ja auch verstärkt als Moderator und mit einem Soloprogramm auf der Bühne zu sehen sind?

Hans Sigl: Nein, überhaupt nicht. Das ist einfach meine bedeutendste Rolle. Und wenn es nerven würde, hätten wir ja irgendwas falsch gemacht. Im Moment drehen wir für die 18. Staffel. Es ist einfach eine Riesenfreude, welche Breitenwirkung dieses Projekt nach wie vor erreicht.

Es gibt den Martin Gruber, der sich in der Bergwelt Tirols für seine Patienten und seine Familie auf einem Bergbauernhof aufopfert. Was für eine Rolle spielen die Berge aber für den Privatmenschen Hans Sigl?

Sigl: Normalerweise bekomme ich eine solche Frage immer nur von norddeutschen Journalisten gestellt (lacht). Aber im Ernst: Die Berge sind in meinem Leben einfach da. Ich bin in der Steiermark geboren, in Vorarlberg zur Schule gegangen und habe in Tirol meine Schauspielausbildung absolviert. Die Berge sind so etwas wie ein Habitat, ein Lebensraum für mich. Drehpausen nutze ich gerne für eine Auszeit. Ich bin aber keiner, der jede Früh um Fünf die Ellmauer Halt (Anm. ein Gipfel im Kaisergebirge) hoch klettern muss.

Inmitten der Bergwelt, die schon den Bayernkönig verzauberte, erzählen Sie im August Texte von und zu Ludwig II. Einem Monarchen, der sich in der Zeit des aufkommenden Nationalismus und kriegerischer Auseinandersetzungen der Kunst verschrieb. Lässt sich da etwas für das Hier und Jetzt ableiten?

Sigl: Ich glaube, er war ein streitbarer Mensch. Einer, der sich irgendwann abgeriegelt hat von der Außenwelt, um sich einem neuen Weg zu widmen. Mit seinem besonderen Sinn für Kultur und die Umwelt war und ist er aber sicher ein Vorbild.

Wie kam es jetzt zu dem Engagement im Allgäu? Und dann noch bei einer Veranstaltung wie den Neuschwanstein Konzerten, die sich nach Jahren der Abstinenz erst wieder etablieren müssen?

Sigl: Dem künstlerischen Leiter André Thurnheim habe ich viel zu verdanken. Vor 25 Jahren waren wir gemeinsam in Freiburg am Theater. Nachdem es von meinem Wohnort am Ammersee nicht weit nach Neuschwanstein ist und es ein schöner, idyllischer Ort ist, habe ich zugesagt. Das Allgäu habe ich schon bei Dreharbeiten kennenlernen dürfen für den Spielfilm „Klarer Fall für Bär.“ Damals waren wir viel am Grüntensee und im Oberallgäu unterwegs.

Stichwort See: Vergangenes Jahr erst haben Sie gemeinsam mit Barbara Schöneberger die Schlagernacht am Wörthersee moderiert. Wie gelingt der Spagat zwischen Volksrock und Richard Wagner – das Publikum ist ja doch recht unterschiedlich?

Sigl: Mein Zugang als Moderator geht immer über den Inhalt. Natürlich ist es eine Umstellung, statt einer Live-Veranstaltung vor 8000 Zuschauern Texte zu klassischer Musik vorzutragen. Aber der Job bleibt ja der gleiche, nämlich Menschen einen Zugang zu dem Thema eröffnen. In meiner Brust schlagen ja ohnehin zwei Seelen – die des Schauspielers und die des Moderators/Erzählers.“

Glauben Sie, den ein oder anderen Bergdoktor-Fan nach Neuschwanstein zu locken? Oder ist die Zielgruppe zu unterschiedlich?

Sigl: In meinen Lesungen klassischer Literatur sind immer wieder Fans dabei. Viele erzählen mir im Nachhinein, dass sie immer geglaubt hätten, es sei anstrengend, ins Theater oder in eine Lesung zu gehen. Dann waren sie aber doch begeistert. Und ich habe ihnen eine völlig neue Welt erschlossen. So etwas freut den Didaktiker in mir. Denn ich habe ja mal Lehramt studiert.

                Interview: Benedikt Siegert

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