
Welterbe verpflichtet und wie das Kulturerbe eine Region zusammenhält.
Das Allgäu ist eine der bedeutendsten Kulturregionen Europas: Mit der Ernennung von Schloss Neuschwanstein zum UNESCO-Weltkulturerbe im Jahr 2025 erhält das Märchenschloss von König Ludwig II. die höchste internationale Anerkennung und rückt das Allgäu in den Fokus der globalen Kulturlandschaft: Weltweit kennen Milliarden Menschen das Cinderella-Schloss von Disney – doch nur wenige wissen, dass sein reales Vorbild Schloss Neuschwanstein ist - obwohl das Schloss bereits seit langem zu den meistfotografierten Sehenswürdigkeiten der Welt zählt. Als UNESCO-Welterbe rückt dieses einzigartige Kulturerbe nun dorthin, wo es hingehört – ins weltweite Bewusstsein, als echtes Märchenschloss von internationalem Rang. Doch im Allgäu lassen sich noch so viel mehr von der UENSCO gewürdigte Kulturgüter entdecken:
Die Aufnahme Neuschwansteins in die Liste des Weltkulturerbes wird ergänzt durch die Vielfalt des Immateriellen Kulturerbes, das im Allgäu von Generation zu Generation weitergegeben wird und lebendige Traditionen bewahrt:
- Alpwirtschaft Bad Hindelang: Als alpflächenreichste Kommune Deutschlands demonstriert Bad Hindelang eine nachhaltige Alpwirtschaft im Einklang mit dem Naturschutz. Dafür steht das jahrzehntelang gelebte Ökomodell Bad Hindelang. Die Beweidung fördert die Artenvielfalt und schafft die Kulturlandschaft, die für den sanften Tourismus zentral ist. Hier wird die Milch auf Sennalpen direkt vor Ort zu Käse und Butter verarbeitet; Gästen wird die Alpwirtschaft über exklusive Mitmachangebote vermittelt.
- Kneippen als traditionelles Wissen und Praxis: Kneippen als traditionelles Wissen und Praxis: Die Gesundheitslehre von Sebastian Kneipp, dessen Wurzeln in Ottobeuren liegen, in Bad Grönenbach lernte und der in Bad Wörishofen wirkte, ist eine lebendige Tradition. Basierend auf den fünf Säulen Wasser, Ernährung, Bewegung, Heilpflanzen und Lebensführung, wird die Methode in zahlreichen Kneipp-Kurorten wie Füssen und Oberstdorf weiterentwickelt und praktiziert
- Historisches Handwerk: Das Allgäu ist die Heimat jahrhundertealter Handwerkskünste, die ebenfalls zum Immateriellen Kulturerbe zählen. Dazu gehören das Töpferhandwerk, die Handweberei, die manuelle Fertigung von mundgeblasenem Glas (erlebbar im Glasmacherdorf Schmidsfelden) - die alle sowohl in den Allgäuer Freilichtmuseen als auch in den heimischen Manufakturen erlebbar sind. Eine Besonderheit ist das Gold- und Silberschmiedehandwerk, fokussiert in Kaufbeuren, wo sich die einzige Berufsschule für Schmuck-, Schmiede- und Glaskunst in ganz Deutschland befindet. Das traditionelle handwerkliche Bierbrauen lässte sich in Allgäuer Privatbraueren nachvollziehen und die deutsche Brotkultur wird bestens abgebildet durch den Verein Allgäuer Bäcker.
- Kultur und Brauchtum: Lebendige Bräuche wie die Schwäbisch-Alemannische Fastnacht, das Mundarttheater, das Sternsingen und das Instrumentale Laien- und Amateurmusizieren zeugen von einem tief verwurzelten Gemeinschaftssinn. Ergänzend dazu gehören der Streuobstanbau und das Schützenwesen zum geförderten Kulturgut ebenso wie die Friedhofskultur.
Welterbe und Immatrielles Kulturerbe erleben. Höhepunkt: Neuschwansteinkonzerte im Schlosshof des Welterbes
In lebendige Traditionen eintauchen, die die einzigartige Kulturlandschaft prägen und erhalten, ist im Allgäu nahezu das ganze Jahr über möglich:
Neuschwansteinkonzerte: Ein ganz exklusives Erlebnis bietet sich vom 29.07. bis 02. August 2026 - wenn der Schlosshof des Welterbes Neuschwanstein sich an fünf Abenden in einen Freiluftkonzertraum verwandelt. Magie, Mythos, Musik im Märchenschloss vereinen die Neuschwansteinkonzerte: Das neue Klassikfestival vereint künstlerische Exzellenz, Historie und Moderne zu einem einzigartigen Musikerlebnis.
Schwäbisch-Alemannische Fastnacht: Zur „Fasnet“ sind im Westallgäu die Narren los. Fantasievoll verkleidet mit den typischen kunstvollen Masken begehen sie allerlei uralte Bräuche und närrische Zeremonien. Dazu gehört auch die für mitreißende Rhythmik der Guggenmusiker. Die älteste deutsche Guggenmusik-Band wurde übrigens in Isny gegründet, gefolgt von der Hausemer Guggenmusik. Deren aufwändigen Gewänder und die hölzernen Masken der Zünfte werden übrigens im Allgäu hergstellt.
Mundarttheater: Amateurtheater und Laiengruppen führen ihre Stücke im Allgäu in Mundart auf. Dabei unterscheidet sich der Dialekt zwischen Unter- und Ober- sowie Ost- und Westallgäu erheblich.
Instrumentale Laien- und Amateurmusizieren: Im Allgäu finden sich nachweislich die meisten Musikvereine in ganz Deutschland und bald jedes Dorf im Allgäu hat seinen eigenen Musikverein, die zu kirchlichem Brauchtum, dörflichen Festen und Konzerten aufspielen. Demnach finden sich hier auch noch viele Instrumentenbauer. Der Allgäuer Volksmusik kann man auf Konzerten und Festen lauschen.
Schützenwesen: Ebenso haben zahlreiche Dörfer im Allgäu einen Schützenverein, die zumeist mit dem Musikverein die Dorffeste Ausrichten. Welchen Stellenwert das Schützenwesen seit dem Mittelalter hat und wie es letztendlich Sport und Mythen förderte, erfährt man im deutschlandweit einzigen Haus zur Schützenkultur, das zum Schwäbischen Freilichtmuseum Illerbeuren gehört.
Streuobstanbau: Seit Jahrhunderten prägen Streuobstwiesen im Westallgäu und am Bodensee das Landschaftsbild. Ihre Artenvielfalt und ihre Schönheit kann zum Beispiel auf dem Streuobstwanderweg Scheidegg entdeckt werden - oder bei einer Radtour durch die Radreiseregion Naturschutzkammern; hier führt die Tour Landschmecker durch die Streuobstwiesen.
Friedhofskultur: Der Wohlstand der einst freien Reichsstadt Memmingen ist auch am historischen Friedhof abzulesen. Führungen vermitteln die Bedeutung der Patriziergräber und die besondere Kultur des jüdischen Friedhofs
Sternsingen: Am 6. Januar, dem Dreikönigstag, verkleiden sich Kinder und Jugendliche als die Heiligen Drei Könige. Sie ziehen von Haus zu Haus und bringen den Segen für das neue Jahr.
Bayerisches Landesverzeichnis des Immateriellen Kulturerbes
Der Fischertag in Memmingen und das Tänzelfest in Kaufbeuren gehören zwar nicht zum Kulturerbe der UNESCO, stehen aber im Bayerischen Landesverzeichnis des Immateriellen Kulturerbes. Mehr zu den Historischen Festen sowie alle Termine finden sich auf der allgaeu.de/staedte

