Mann in einem Büro packt seinen Laptopn in einen Rucksack, neben ihm ein Fahrradhelm auf dem Tisch
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Allgäu GmbH, Philip Herzhoff

Quiet Quitting

Wenn die Arbeit leiser wird – Quiet Quitting erkennen, verstehen und verhindern

    Es passiert unauffällig und ohne große Aufregung: Mitarbeitende ziehen sich emotional von ihren Aufgaben zurück. Das Phänomen „Quiet Quitting“ breitet sich schleichend aus. Doch woran liegt das und wie können Unternehmen gegensteuern? Letztendlich dreht sich alles um die Motivation der Mitarbeitenden und diese ist maßgeblich eine Frage der Führung.

    Die Gallup-Studie: Ein Weckruf

    Die Gallup-Studie, die jedes Jahr weltweit Daten zur Mitarbeitendenmotivation erhebt, zeigt, dass in Deutschland durchschnittlich nur 15 % der Angestellten eine sehr hohe emotionale Bindung an das Unternehmen haben. 70 % haben eine geringe emotionale Bindung und 17 % haben innerlich schon gekündigt. Diese Zahlen zeigen die Dringlichkeit des Themas. Selbst wenn die Mitarbeiter:innen noch im Betrieb anwesend sind und ihre vertraglichen Pflichten erfüllen, wird durch die innerliche Kündigung langfristig ein größerer wirtschaftlicher Schaden verursacht, als durch tatsächliche Fehltage. 

    Warum die moderne Arbeitswelt Quiet Quitting begünstigt

    Die Rahmenbedingungen unserer Arbeitswelt ändern sich drastisch und fordern Teams wie Führungskräfte gleichermaßen.

    • Globalisierung und Vernetzung: Teams, die über Ländergrenzen hinaus arbeiten, bringen interkulturelle Herausforderungen in der Arbeitsweise und Motivation mit sich. Diese lassen sich nur mit Offenheit und Toleranz lösen. 
    • Demographischer Wandel: Das Durchschnittsalter der Arbeitnehmenden in Deutschland liegt mittlerweile bei 45 Jahren. Nicht weil die Belegschaft immer älter wird, sondern weil zu wenige junge Menschen nachkommen. Besonders die junge Generation legt Wert auf Sinnhaftigkeit und Selbstbestimmung im Job.
    • Lebenslanges Lernen: in einer schnelllebigen Welt verändert sich das benötigte Wissen rasant. Wer sich stetig weiterbildet, kann besser mitreden und bleibt nachweislich motivierter im Job.
    • Digitale Überforderung: Die Digitalisierung sorgt oft für Frust, wenn ständig neue Tools eingeführt, ohne das Team vorher richtig dafür zu schulen. Die Zukunft der Arbeit findet im Netz statt, doch Unternehmen müssen die Menschen dabei aktiv begleiten.

    Definition und Symptome: Was steckt dahinter

    Quiet Quitting bedeutet nicht, dass jemand tatsächlich kündigt. Es beschreibt den bewussten Verzicht auf jegliches Extra-Engagement und die innerliche Distanzierung Mitarbeitender von ihrer Arbeit ohne tatsächliche Kündigung. Gründe dafür sind oftmals das Zusammenspiel von fehlender Wertschätzung durch das Unternehmen oder den:die Vorgesetze:n, Überlastung der Mitarbeitenden und unklare Ziele des Unternehmens. Während die tatsächliche Kündigung oftmals einen konkreten Auslöser hat, wie eine verwährte Gehaltserhöhung oder Beförderung, ist Quiet Quitting ein schleichender Prozess, der sich oftmals über Monate und Jahre zieht. Das Fundament dieses Rückzugs bildet fast immer ein mangelndes Vertrauen in die Führung oder das Unternehmen. Folgt darauf mangelnde Konsistenz bei Entscheidungen und Ansagen, beginnen Mitarbeitende sich nicht wertgeschätzt zu fühlen. Das führt zu einem fehlenden Zugehörigkeitsgefühl, bis an der Spitze des Prozesses die Kommunikation mangelhaft wird oder komplett verstummt.

    Die Folgen für das Unternehmen sind gravierend: sinkendes Engagement, geringere Produktivität, kaum Innovationen sowie Spannungen im Team, da engagierte Kolleg:innen die Arbeit auffangen müssen.

    Der wichtigste Hebel: Führungsstil und Kultur

    Mitarbeitende kommen meist wegen eines attraktiven Arbeitgebers, bleiben wegen der Tätigkeit und gehen wegen der Führungskraft. Das bedeutet, dass richtige Führung ein entscheidender Faktor für die Unternehmensbindung ist.

    • Der partizipativ-demokratische Führungsstil: Er gilt als beste Prävention. Wer das Team in Entscheidungen einbindet, vermittelt echte Wertschätzung und stärkt die Bindung.
    • Fokus auf Gesundheit und Unternehmenstreue: Führungskräfte, die sich ehrlich für das Wohlbefinden ihrer Mitarbeitenden interessieren, senken den Krankenstand. Quiet Quitter melden sich bei kleinstem Unwohlsein schneller krank. Eine gesunde Kultur wirkt dem entgegen.
    • Wertschätzung im unteren Einkommensbereich: Gesundheit und Wohlbefinden korrelieren stark mit Bindung und Einkommen. Daher ist ein besonderes Augenmerk auf Teams im unteren Einkommenssektor wichtig. Hier hilft eine ehrliche, zweiseitige Feedbackkultur.
    • Regionale Benefits: Klassische Benefits lindern oft nur Symptome. Unternehmen im Allgäu können jedoch besonders punkten, wenn Benefits einen starken regionalen Bezug haben und so die Identifikation stärken.

    „Back to Office“ richtig verkaufen

    Home-Office Regelungen hatten während der Pandemie und auch danach große Vorteile für Mitarbeitende. Sie bergen jedoch auch Gefahren: Wenn man den:die Chef:in nie sieht und kaum noch im Büro ist, sinkt die Bindung. Es entsteht eine distanzierte Haltung dem:der Arbeitgeber:in gegenüber, man strengt sich weniger an. Besonders in Dienstleistungsbetrieben ist das Sehen in Persona jedoch entscheidend für die Team- und Innovationsfähigkeit.

    Zudem beeinflusst dauerhaftes Homeoffice die Gesundheit: Man bewegt sich im Schnitt ein Drittel weniger und ernährt sich ungesünder als im Betrieb. Um die Vorzüge des Homeoffice zu übertreffen, müssen Unternehmen das In-Office Konzept besser verkaufen. Nicht durch Zwang, sondern durch Formate, die Begegnungen schaffen:

    • Gemeinsame Mittagspausen
    • Analoge Teambesprechungen
    • Afterwork-Events und persönliche Austauschräume
    • Das Leitmotiv: „Ohne Wertschätzung keine Wertschöpfung“

    Konkrete Schritte für Führungskräfte, um Quiet Quitting zu identifizieren und zu handeln

    • Subtil und empathisch thematisieren: Das Gespräch zeitnah und ohne Vorwürfe suchen.
    • Kommunikation statt Arbeitsrecht: In dieser Phase nicht mit arbeitsrechtlichen Schritten drohen, sondern auf menschlicher Ebene Brücken bauen.
    • Perspektivwechsel nutzen: Besteht kein guter Draht zur aktuellen Führungskraft, sollte eine neutrale Person oder andere Führungskraft das Gespräch moderieren.
    • Neustart wagen: Wenn die Person bereits innerlich abgeschlossen hat, kann ein Wechsel des Teams oder eine völlig neues Aufgabengebiet die Motivation neu entfachen.
    Porträt von Volker Nürnberg während dem Sprechen
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    privat

    Prof. Dr. Volker Nürnberg

    Buchautor und BWL-Professor für Management, Health & HR

    Prof. Dr. Volker Nürnberg lehrt an der TU München und der Hochschule Allensbach, hat den Fokus auf „gesunder Arbeit“ und ist Mitglied der Ethikkommission des Gesundheitsministeriums. Im HR-Wissenssnack #19 erklärte er, wie man Quiet Quitting erkennen und was man dagegen tun kann.

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    Allgäu GmbH, Philipp Herzhoff

    Kommende und vergangene Veranstaltungen

    HR Wissenssnack

    Wir laden zu einem kurzweiligen Online-Format ein, bei dem sich Personalverantwortliche aus dem Allgäu zu aktuellen Herausforderungen informieren können und der Austausch zu Trends im Personalmanagement gefördert wird.

    Zu den Veranstaltungen